Bericht über die Jubiläums-Fachtagung vom 7. Oktober 2017 mit dem Thema

Ätherische Öle und Ölmischungen in Medizin Pflege und Aromatherapie


Aromakunde reicht über die unmittelbare Wirkung hinaus
Bei der Fachtagung „Ätherische Öle und Ölmischungen in Medizin, Pflege und Aromatherapie“ zum 20-jährigen Bestehen von OHLAND Naturmedizin öffnete Jürgen Trott-Tschepe den Blick und das Gespür für die ganzheitliche und differenzierte Anwendung von Wirkstoffen.

(Oktober 2017) Die spirituelle Komponente der Aromatherapie rückte Jürgen Trott-Tschepe in den Mittelpunkt seines Vortrags bei der Jubiläumstagung der Ohland Naturmedizin in Kassel. Dabei öffnete er durch gemeinsame Übungen in der Gruppe den Teilnehmern den Zugang zu Erfahrungen, wie und in welchem Umfang ätherische Öle über die bekannte Wirkung und das Individuum hinaus ihre Kräfte entfalten.

Innere Haltekraft aktivieren
Besonders intensiv spürbar wurde dieser Effekt in einer Vertrauensübung, dem bekannten „Sich Fallenlassen im Kreis“, bei dem unter der Wirkung von ätherischem Kardamom-Öl sich eine Atmosphäre der Sicherheit und Geborgenheit auch unter Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufbaute, die sich bis dahin kaum kannten. Die dadurch geweckte und versteckte „Haltekraft eines Menschen oder Mitmenschen“ wirkt sich Trott-Tschepe zufolge zum Beispiel in Situationen von Verlusten oder bei gravierenden Veränderungsprozessen positiv aus. „Kardamom ist in den Aufnahmestationen von Kliniken inzwischen der Renner – zumindest dort, wo ich geschult habe“, schilderte er ein praktisches Anwendungsbeispiel.

Dosierung so dezent wie das Öl
Der Heilpraktiker, Dozent, Autor und Gründer des „Instituts lebendige Aromakunde“ (ILA) ist überzeugt, dass es in der Aromatherapie ausreicht, mit kleinsten Dosierungen zu arbeiten. „Mitunter empfehle ich, nur mit dem Öl im geschlossenen Behälter zu arbeiten“, berichtete er. „Die Dosierung darf so dezent sein wie das Öl. Meist genügen die wenigen Moleküle, die dennoch austreten, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Wenn wir offen sind, erreichen sie uns.“ Wobei er diese Wirkung grundsätzlich weiter fasst, als es die direkte Ableitung jedes Wirkstoffs signalisiert. „Ein Duftmolekül kann eine ganze Kaskade von Wirkungen auslösen“, so seine Erfahrung, die er immer auch in poetische Texte fasst, in denen sich das ganze Spektrum von Fragen, Antworten und Ideen offenbart, die mit dem jeweiligen Öl verbunden sind. „Mit den Aromen erreichen mich auch einfache Worte, die sich zu einer Poesie fügen.“

Biografisches Arbeiten
Trott-Tschepe brachte den Teilnehmern der Tagung in diesem Zusammenhang den Wert einer „biografieorientierten Aromakunde“ beziehungsweise einer „aromakundlichen Biografiearbeit“ nahe. „Die Menschen kommen nicht mehr mit Krankheiten zur Therapie, sondern mit Themen, an denen sie weiterwachsen wollen“, berichtete er. „In diesem Kontext erhalten sie dann ein ätherisches Öl, das ihnen zusammen mit der Wegweisung dabei hilft, das in ihnen das Wissen freisetzt und stärkt, wie es weitergehen soll.“ In der Regel ist dies mit einem Aufbruch aus dem Vertrauten, Gewohnten verbunden. Die Wirkkräfte des Öls stärken den Anwender dabei, sich auf etwas anderes, neues einzulassen – „zum Beispiel auf die Anwesenheit in einer Klinik, in der ihnen alles fremd ist“, so Trott-Tschepe.

Innerer Ausgleich
Dies ist aus seiner Sicht unter dem Aspekt zu bewerten, dass eine Salutogenese-Aromatherapie stets zu ergründen sucht, was das ursprüngliche Gesunde in einem Menschen ist, um dieses dann zu aktivieren. „Kardamom dient hier als Wegbegleitung zu vielleicht verschüttgegangenen Quellen des Vertrauens“, so seine Beobachtungen, zu denen auch durchaus kräftige körperliche Reaktionen zählen, wenn Störendes ausgeschieden oder über eine lange Ruhe-Traum-Phase der innere Ausgleich wiederhergestellt wird.

Vertiefung des Miteinanders
In welchem Maß akzentuiert eingesetzte Aromatherapie auch in das unmittelbare Verhältnis zweier Menschen hineinwirkt, machte Trott-Tschepe bei einer weiteren Übung deutlich. Dabei baute sich unter dem dezenten Einsatz eines Rose-Hydrolats zwischen Handflächen zweier Partner selbst noch in der Distanz ein verbindendes Feld auf. Begleitet von dem Satz „Ich würdige Dich in Deinem Licht und Deinem Leid, denn Du bist wie ich“ erlebten Teilnehmer „Sekunden völliger Verschmelzung“ mit ihrem Gegenüber und machten aus einer äußerlichen eine innerliche Begegnung.

Behutsamkeit bei der Anwendung
Eine fast schon gegensätzliche Situation – der massive Konflikt zwischen Hochleistungs-Anspruch und Ruhepol-Sehnsucht – lädt wiederum zur Anwendung eines Öls ein, vor dem nach Worten des Referenten in der Literatur am meisten gewarnt wird, weil es behutsamster Dosierung bedarf, um seine Wirkung nicht ins Gegenteil zu verkehren: Wintergrün. Hier genüge oft schon eine Mischung von einem Tropfen auf 100 ml Trägeröl. „Ich nenne es auch Zeitgeist-Öl, weil es der wachsenden Zahl an Rastlosen und Getriebenen in unserer Gesellschaft helfen kann, den Schlafarmen und Daueraktiven, die sonst zum Re-Funktionieren nach Hilfsmitteln aus der Medizin-Trickkiste greifen“, sagte Trott-Tschepe. Behutsamkeit bei der Anwendung sei deshalb wichtig, weil dieses Öl „selbst Stress macht und ein Hauch zuviel dazu führt, dass der Druck überhandnimmt“.

„Aromakunde“ als Ansatz
Insgesamt sieht Trott-Tschäpe das Verständnis einer Aromatherapie kritisch, die nach einem „Remedium auf Knopfdruck“ sucht. Vielmehr gehe es um die sorgfältig, am Individuum ausgerichtete Anwendung dessen, was der Begriff „Aromakunde“ besser ausdrücke: „Da stecken die Kenntnis und die Botschaft gleichermaßen mit drin.“ Den Teilnehmern der Jubiläumstagung gab er daher mit auf den Weg, ausgehend von den Übungen und Erfahrungen dieser Veranstaltung ihre Arbeit im Umgang mit ätherischen Ölen weiter zu vertiefen und die differenzierten, vielschichtigen Wirkweisen jenseits der unmittelbaren Effekte zu spüren und zu erkunden.

Bericht von: Ulrich Pfaffenberger, Journalist (http://www.ulrich-pfaffenberger.com)